Baugeschichte der Kleinen Synagoge

Nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts nach jahrhundertelangem Ansiedlungsverbot wieder Juden nach Erfurt zurückgekehrt waren, benötigte die wachsende Gemeinde einen Betraum. Dazu diente zunächst ein privates Wohnhaus auf der Judenschule Nr. 2433, das bereits 1817 als "Juden-Bethaus" erwähnt wurde. 1823 erwarb der Gemeindevorsteher Dr. Ephraim Salomon Unger dieses Gebäude und ließ es zur rituellen Nutzung umbauen.

Jedoch befand sich das Gebäude in einem generell schlechten Zustand und musste schon kurze Zeit später abgerissen und durch einen Synagogenneubau an derselben Stelle ersetzt werden.

Es entstand ein zweigeschossiger Bau, der 1840 eingeweiht wurde. Das klassizistische Gebäude mit von großen Bogenfenstern geprägten Fassaden beherbergte einen Betsaal mit Toraschrein und Frauenempore, eine Mikwe im Untergeschoss sowie Wohnräume für einen Gemeindeangestellten.

Mit dem stetigen Anwachsen der Gemeinde wurde die Synagoge bald zu klein; darum erbaute die Gemeinde im Jahr 1884 die Große Synagoge am Kartäuserring. In einer feierlichen Prozession durch die Stadt überführte man die Torarollen in die neue Synagoge. Die Gemeinde verkaufte die bisherige Synagoge im darauffolgenden Jahr an den Kaufmann C. C. Römpler, der das Gebäude stark verändern ließ: Auf der Empore wurden Zwischenwände für Wohnräume errichtet und im Saal eine Zwischendecke eingezogen. Die ehemalige Synagoge diente nun als Fasslager und Produktionsgebäude für Essenzen und Spirituosen.

Nachdem das Gebäude in städtischen Besitz übergegangen war, baute man es 1918 zu einem Wohnhaus um. Durch diese Veränderungen und Umnutzungen war die ehemalige Synagoge als solche nicht mehr erkennbar und entging wohl auch deshalb einer Zerstörung im Dritten Reich.

Bis 1993 diente die ehemalige Synagoge in nahezu unveränderter Form als Wohnhaus. Die Bausubstanz war stark vernachlässigt und ihre besondere Geschichte in Erfurt kaum bekannt. Seit der Sanierung des Gebäudes in den 1990er Jahren hat die Kleine Synagoge als Begegnungsstätte einen festen Platz im Erfurter Kulturleben.

Wiederentdeckung und Sanierung

Durch die profane Nutzung waren Funktion und Bedeutung des Gebäudes fast vollständig in Vergessenheit geraten. Erst seit den späten 1980er Jahren begann man in Erfurt, wieder auf die Synagoge aufmerksam zu werden. Parallel zur Erforschung der Baugeschichte wurden erste Pläne für eine zukünftige Nutzung des Gebäudes erarbeitet. 1992 wurde die Kleine Synagoge unter Denkmalschutz gestellt. Im selben Jahr verabschiedete der Erfurter Stadtrat ein erstes Konzept zur Einrichtung einer Begegnungsstätte an diesem außergewöhnlichen Ort.

Anschließend konnte die Kleine Synagoge restauriert werden. Dabei wurde angestrebt, außen wie innen den originalen Zustand weitgehend wiederherzustellen. Unter den Verschalungen im Betsaal hatten sich glücklicherweise sowohl die Frauenempore als auch der Toraschrein erhalten, so dass sich heute der Innenraum in nahezu ursprünglichem Zustand zeigt. Am 9. November 1998 fand die feierliche Eröffnung der Begegnungsstätte Kleine Synagoge statt.

Die Mikwe

Bis zur Sanierung der Kleinen Synagoge war die Mikwe in der Kleinen Synagoge verfüllt. Allerdings wird in den Bauakten des 19. Jahrhunderts ein "Frauenbad" erwähnt und im Kellergrundriss ist eine Anlage mit Stufen eingezeichnet.

Bei einer Schachtung in diesem Bereich wurde 1994 die aus Sandstein gemauerte Mikwe freigelegt. Sieben Stufen führen zum Becken hinab, das eine Tiefe von 1,42 Metern und ein Fassungsvermögen von etwa 520 Litern hat. In der Ostwand befinden sich zwei Rohröffnungen, möglicherweise führten Wasserleitungen zur Gera oder der Kesselanlage in der Nordostecke. Hier sind auf den Bauzeichnungen zwei Wasserkessel sichtbar. Der eine diente wohl als Sammelbecken für das gepumpte Wasser, der andere als Heizkessel – denn im 19. Jahrhundert war ein gewisser Anteil erwärmten Wassers in der Mikwe erlaubt.

Ob die Mikwe mit dem Bau der Synagoge 1840 entstand, oder schon Teil des Vorgängerbaus war, ist heute nicht mehr zu belegen.


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