Der Wettbewerb 2008
Ausschreibung
Erfurter GeDenken 1933-45
Orte.
Schicksale.
Abschnitt 1: Auftraggeber
Auftraggeber ist der Arbeitskreis "Erfurter GeDenken 1933-45", der sich aus interessierten Bürgerinnen und Bürgern, darunter Vertreter einschlägiger Vereine, der Kirchen, sämtlicher Stadtratsfraktionen sowie der Stadtverwaltung zusammen setzt.
Kontaktadresse:
Arbeitskreis "Erfurter GeDenken 1933-45"
c/o Ev. Stadtakademie MEISTER ECKHART (EEBT)
Allerheiligenstraße 15
99084 Erfurt
Tel. 0361 56617-01 Fax. -00
Auskünfte erteilen:
Josephine Hage
Deutsch-Israelische Gesellschaft
Arbeitsgemeinschaft Erfurt
An der Stadtmünze 4/5
99084 Erfurt
digerfurt@web.de
Dr. Aribert Rothe
Evangelische Stadtakademie
MEISTER ECKHART (EEBT)
Allerheiligenstraße 15
99084 Erfurt
Tel. 0361 56617-01 Fax -00
EEBTstadtakademieEF@gmx.de
Entwürfe/Unterlagen sind zu richten an:
Evangelische Stadtakademie Meister ECKHART (EEBT)
Allerheiligenstraße 15
99084 Erfurt
Abschnitt 2: Auftragsgegenstand
1 Künstlerischer Wettbewerb zur Erlangung von Ideen für Denkzeichen gemäß "II. Orte" und "III. Schicksale" der Projektbeschreibung und zu deren praktischen Realisierung
1.1 Der Arbeitskreis Erfurter GeDenken 1933-45
Anfang 2007 luden Deutsch-Israelische Gesellschaft und Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen zu einem Initiativkreis mit dem Ziel ein, im Erfurter Stadtraum Erinnerungszeichen für die zwischen 1933 und 1945 verfolgten, deportierten und ermordeten Erfurter Juden zu schaffen.
Die Motivation für diese Initiative liegt in der Beobachtung, dass Erfurt mit Blick auf die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus eine beinahe "gedenklose" Stadt ist - ein sichtbares Zeichen im öffentlichen Raum fehlt. Der Arbeitskreis Erfurter GeDenken 1933-45 hat sich die Aufgabe gestellt, durch eine breite öffentliche Diskussion um eine angemessene Form des Gedenkens zu einer lokal verorteten Erinnerungskultur beizutragen.
Der Arbeitskreis setzt sich zusammen aus interessierten Bürgerinnen und Bürgern, darunter Vertreter einschlägiger Vereine, der Kirchen, sämtlicher Stadtratsfraktionen sowie der Stadtverwaltung. Er kommt seit April 2007 regelmäßig zusammen, um inhaltliche Festlegungen zu treffen. Im Juli 2007 arbeitete der Arbeitskreis eine gemeinsame Projektbeschreibung aus, mit der er sich unter anderem vom populären Konzept der "Stolpersteine" abgrenzt. Die dort aufgeführten Punkte "II. Orte" und "III. Schicksale" stellen die inhaltliche Grundlage dieser Ausschreibung dar.
Die Ergebnisse der Ausschreibung werden zum 70. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938 in der Alten Synagoge in Erfurt ausgestellt. Das Gedenken soll mit der Errichtung einzelner Denkzeichen nicht erstarren, deshalb ist es nachhaltig angelegt: im Laufe der Jahre sollen zu den vorhandenen Denkzeichen stets neue hinzukommen.
1.2 Die Aufgabe
Im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs soll ein überzeugendes und dem Thema angemessenes Konzept für das Sichtbarmachen der vergessenen Orte und Schicksale entwickelt und – unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit - vom Preisträger realisiert werden.
Die Aufgabe besteht darin, ein Modell zu entwickeln, das auf das gesamte visuelle Erscheinungsbild der "Denkzeichen" angewendet werden kann, ohne dabei ein stark individualisierendes Moment zu vernachlässigen. Wir erwarten darüber hinaus eine schriftliche Erläuterung des Modells sowie Aussagen über das zu verwendende Material, und zudem einen groben Kostenplan für die Umsetzung. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Realisierung auch seitens der Erfurter Zivilgesellschaft möglich sein sollte.
Die konkreten Schicksale und Orte müssen nicht recherchiert werden. Dies übernimmt der Arbeitskreis . Wünschenswert wäre allerdings, anhand des Modells ein Schicksal bzw. einen Ort (wie etwa eines der Ghettohäuser bzw. eine Persönlichkeit) exemplarisch aufzugreifen. In der Begegnungsstätte Kleine Synagoge liegen weiterführende Dokumente - wie eine Übersicht zu den Ghettohäusern und das "Gedenkbuch Erfurt. Jüdische Opfer des Holocaust" – zur Einsicht bereit. Auch Dokumente, die in eine mögliche bildhafte Darstellung einbezogen werden können (Fotos, Briefe etc.), stehen zur Verfügung.
Neben der Individualität und Wiedererkennbarkeit muss der praktische Nutzen gewährleistet sein. So sollte etwa bei der Wahl der Schrift auf eine gute Lesbarkeit geachtet werden. Weiterhin sollte bei der Materialauswahl berücksichtigt werden, dass die Denkzeichen der Witterung ausgesetzt sind.
Der Gewinnerentwurf soll umgesetzt werden, soweit die jeweilige Finanzierung der einzelnen Denkzeichen gewährleistet ist (Finanzierungsvorbehalt).
Der Einsender erklärt und verpflichtet sich dazu, dass er die Umsetzung bzw. Ausführung des Entwurfes selbst realisiert oder die Realisierung in Eigenverantwortung organisiert. Diese Tätigkeiten sind durch das Preisgeld abgegolten.
Der Arbeitskreis Erfurter GeDenken 1933-45 legt größten Wert auf eine originelle und eigenständige "erfurtspezifische" Lösung der Aufgabenstellung, die neue Akzente in der Denkmalkultur zu setzen und Anerkennung weit über Erfurt hinaus zu finden vermag.
1.3 Art und Umfang der einzureichenden Wettbewerbsbeiträge
Die einzureichenden Arbeiten müssen umfassen:
- eine schriftliche Erläuterung (max. eine Seite, DIN A4, Schrift: 12pt) sowie
- eine bildkünstlerische Darstellung inklusive typographischer Beispiellösung, 2-D (max. DIN A2), zudem
- Angaben zum Material, sowie einen Kostenplan für eine mögliche Realisierung.
Wünschenswert ist zudem ein plastisches Modell (Grundfläche max. 50x50cm, Höhe max. 50cm).
Kennzeichnung der Entwürfe
Alle Teile der eingereichten Wettbewerbsarbeit sind durch eine frei wählbare, fünfstellige Kennzahl zu markieren. Diese Identifikationsnummer ist auch auf der Verfasser- und Urheberrechtserklärung einzutragen, die in einem gesonderten, ebenfalls gekennzeichneten und verschlossenen Briefumschlag abzugeben ist. Durch dieses anonymisierte Verfahren wird Chancengleichheit gewährleistet.
1.4 Der Wettbewerb
1.4.1 Auslober, Jury und Organisation
Auslober des Ideenwettbewerbs ist der Arbeitskreis Erfurter GeDenken 1933-45 . Die Themenstellung, Programmformulierung und Organisation des Wettbewerbs erfolgen durch den Arbeitskreis. Der Wettbewerb wird in Erfurt veranstaltet.
Die Jury:
André Blechschmidt, Kulturausschuss des Erfurter Stadtrats
Dr. Martin Borowsky, Vorsitzender der Deutsch-Israelische Gesellschaft Erfurt
Tely Büchner, Kunsthaus Erfurt
Prof. Dr. Stefanie Endlich, Kunstwissenschaftlerin, Berlin
Thomas Lindner, Metallgestalter, Erfurt
Prof. Klaus Nerlich, Architekt, Vorstand des VBK Thüringen
Wolfgang Nossen, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen
Dr. Aribert Rothe, Leiter der Evangelischen Stadtakademie Meister Eckhart
Prof. Dr. Karl Schawelka, Kunsthistoriker, Bauhaus-Universität Weimar
Prof. Dr. Kai-Uwe Schierz, Kunstwissenschaftler, Direktor Kunsthalle Erfurt
Herbert Schönemann, Kunsthistoriker, Kunstkommission Erfurt
1.4.2 Wettbewerbsart
Der Wettbewerb wird als offener, thüringenweiter Wettbewerb ausgelobt. Das Verfahren ist anonym. Zugelassene Wettbewerbssprache ist Deutsch.
1.4.3 Teilnahmeberechtigung
Teilnahmeberechtigt sind alle Thüringer Künstler/innen. Arbeiten können als Einzel- oder Gruppenarbeit eingereicht werden, wobei jede/r Teilnehmer/in bzw. jede Gruppe nur einen Entwurf einreichen kann.
Bei Arbeiten, die in der Gruppe entstanden sind, ist die Teilnehmerzahl nicht begrenzt. In beiden Arbeitsformen muss die eingesandte Arbeit die Eigenleistung der oder des Einsendenden sein. Anleitung und Korrektur durch Lehrende sind zulässig.
1.4.4 Anmeldung und Wettbewerbsunterlagen
Interessenten am Wettbewerb melden sich bis zum 30. August 2008 unter folgender Anschrift an:
Evangelische Stadtakademie Meister ECKHART (EEBT), Allerheiligenstraße 15, 99084 Erfurt, EEBTstadtakademieEF@gmx.de
Die für die Bearbeitung wesentlichen Wettbewerbsunterlagen sind über die Internetseite der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Erfurt abrufbar: http://www.dig-erfurt.de/ ("Projekte").
Es werden folgende Wettbewerbsunterlagen zur Verfügung gestellt:
- Projektbeschreibung
- Auslobungstext
- Verfassererklärung
- Literaturliste
Ein Rückfragenkolloquium findet am 14. August 2008 um 14 Uhr in der Kleinen Synagoge statt.
1.4.5 Abgabe
Die Arbeiten müssen bis zum 30. September 2008 bei der Kontaktadresse (Abschnitt 1) um 16 Uhr eingegangen sein. Es gilt der Poststempel.
1.4.6 Bewertungskriterien
Die Jury beurteilt vorrangig die kreative Qualität im Hinblick insbesondere auf folgende Kriterien:
- Geeignetheit – ist die Arbeit geeignet, zu einer lokal verorteten, wiederholbaren und nachhaltigen Form des Gedenkens beizutragen?
- Wirkung – wie wird der Betrachter durch die Arbeit an die erinnerten Opfer und Orte – emotional, intellektuell - herangeführt?
- Originalität – ist die Arbeit neu und originell?
- Klarheit – ist die Arbeit leicht erfassbar, sind ihre Inhalte begreifbar?
- Überzeugungskraft – werden die Argumente für das Objekt glaubhaft wiedergegeben?
- Machart – ist die Arbeit überzeugend, stimmen alle Einzelteile, und bilden sie ein homogenes Ganzes?
- Finanzierbarkeit – berücksichtigt der Entwurf, dass die Objekte zivilgesellschaftlich finanzierbar sein müssen?
1.4.7 Preise
Die besten Arbeiten werden mit Geldpreisen prämiert:
1. Preis 2.500 Euro
2. Preis 500 Euro
3. Preis 500 Euro
Die Jury behält sich vor, den ersten Preis nicht zu vergeben.
1.4.8 Ausstellung und Präsentation auf der Website des Netzwerks "Jüdisches Leben in Erfurt"
Sämtliche Arbeiten werden in einer Wettbewerbsausstellung zum 70. Jahrestag der Novemberpogrome in der Alten Synagoge in Erfurt gezeigt und in geeigneter Weise der Öffentlichkeit sowie der Fachpresse zugänglich gemacht.
Alle Entwürfe werden zudem mit Bild auf der Internetseite des Netzwerks "Jüdisches Leben in Erfurt" veröffentlicht, um eine breite öffentliche Diskussion anzuregen und zu ermöglichen.
1.4.9 Bekanntgabe der Gewinner
Die Jury trifft sich im Oktober 2008 und ermittelt die Gewinner. Die Preisverleihung findet am 9. November 2008 statt.
2 Rechtsgrundlagen und Teilnahmebedingungen
2.1 Nutzungsrechte
Der Arbeitskreis Erfurter GeDenken 1933-45 unternimmt Anstrengungen, die eingesandten Arbeiten einem möglichst breiten Publikum vorzustellen, wie vorstehend unter Punkt 1.4.8 aufgezeigt. Der Einsender räumt dem Arbeitskreis ein unentgeltliches und umfassendes Nutzungsrecht für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ein, das heißt insbesondere das Recht, die eingesandte Arbeit zu veröffentlichen, zu vervielfältigen, zu verbreiten, auszustellen, öffentlich vorzuführen und online im Internet öffentlich zugänglich zu machen.
2.2 Haftungsfreistellung
Der Einsender sichert zu, dass Rechte Dritter der vorstehend vereinbarten umfassenden Nutzungsrechtseinräumung nicht entgegen stehen. Darüber hinaus stellt der Einsender den Arbeitskreis bzw. dessen Mitglieder von jeder Haftung für eventuelle Urheberrechtsverletzungen frei. Insbesondere ist der Einsender dazu verpflichtet, dem Arbeitskreis bzw. seinen Mitgliedern unverzüglich jeden Schaden zu ersetzen, der dem Arbeitskreis bzw. seinen Mitgliedern dadurch entsteht, dass Dritte den Arbeitskreis bzw. dessen Mitglieder wegen einer Urheberrechtsverletzung in Bezug auf die eingesandte Arbeit in Anspruch nehmen. Zu dem zu ersetzenden Schaden gehört auch der Schaden, der dem Arbeitskreis bzw. seinen Mitgliedern dadurch entsteht, dass Nutzungshandlungen in Bezug auf das eingesandte Werk nicht vorgenommen werden können, da Rechte Dritter dem im Wege stehen.
Diese Bestimmungen gelten auch für den Unterzeichner der Einsendeblätter, sofern dieser mit dem Einsender nicht identisch ist. Einsender und Unterzeichner haften gesamtschuldnerisch.
Im Falle der Beschädigung, der Entwendung oder des sonstigen Verlustes der eingesandten Arbeit haftet der Arbeitskreis nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Im Übrigen ist die Haftung ausgeschlossen.
Die Bewertung und die Prämierung der eingesandten Arbeiten beruhen im Übrigen auf der freien Entscheidung der Jury. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
2.3 Vorbehalte/Verstöße
Nur Arbeiten, die den Wettbewerbsbedingungen entsprechen, nehmen am Wettbewerb und an der Bewertung teil. Voraussetzung ist, dass alle Angaben zur Einsendung der Wahrheit entsprechen. Der Arbeitskreis Erfurter GeDenken 1933-45 behält sich vor, Arbeiten vom Wettbewerb und/oder der Veröffentlichung auszuschließen, wenn sie nicht den Teilnahmebedingungen entsprechen, oder wenn er zu der Überzeugung gelangt, dass sie eine Schädigung des Arbeitskreises oder des Wettbewerbs zur Folge haben können. Ein Ausschließungsgrund ist u. a. gegeben, wenn an der Originalität, der Urheberschaft oder dem Auftragscharakter der Arbeit Zweifel bestehen oder wenn wettbewerbliche Bedenken auftreten.
2.4 Haftung des Einsenders und des Unterzeichners
Wenn der Unterzeichner der Einsendeblätter und der Einsender nicht identisch sind, versichert der Unterzeichner der Einsendeblätter, von dem Einsender beauftragt und bevollmächtigt zu sein, die Einsendeblätter auszufüllen. Der Unterzeichner der Einsendeblätter haftet neben dem Einsender für sämtliche Rechtsfolgen, die durch unrichtige Angaben entstehen, gesamtschuldnerisch. Er versichert mit seiner Unterschrift, die Einsende- und Teilnahmebedingungen gelesen zu haben und diese zu akzeptieren.
Jeder Einsender oder Unterzeichner unterwirft sich mit der Einsendung der Arbeit den Wettbewerbsbedingungen und dem Bewertungsverfahren. Entscheidung und Bewertung der Jury sind unanfechtbar, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Es gilt der abschließende Spruch der Jury. Die Jurierung ist beendet, wenn die Jury zu einer Entscheidung über die Preisvergabe gelangt sind.
Plagiatshinweise und Dublettenhinweise sind unverzüglich über die Kontaktadresse an die Jury zu richten.
Verfasser- und Urheberrechtserklärung
Teilnehmer ___ von ___ gleichberechtigten Wettbewerbspartnern
(Bei Gruppenarbeiten muss für jeden teilnehmenden Wettbewerbspartner eine Urheberrechts- und Nutzungserklärung ausgefüllt werden. Bitte die Anzahl der Wettbewerbspartner angeben.)
1 Titel der Arbeit
2 Name der Schule/Fachhochschule/Universität
3 Name, Vorname
4 Straße
5 PLZ, Ort
6 Telefon
7 Fax
8 E-Mail
Ich (wir) erkläre (erklären) verbindlich, dass ich (wir) der (die) alleinige(n) Urheber der Wettbewerbsarbeit bin (sind) und das Recht zur Nutzung und Änderung sowie zur Einräumung zweckentsprechender, die Änderungsbefugnis einschließender Nutzungsrechte besitze. Mein (unser) Wettbewerbsbeitrag wurde noch nicht an anderer Stelle eingereicht oder veröffentlicht.
Datum, Unterschrift des Verfassers
Protokoll der Jurysitzung
Arbeitskreis "ERFURTER GEDENKEN 1933 - 1945"
c./o. EVANGELISCHE STADTAKADEMIE "MEISTER ECKHART" (EEBT)
Allerheiligenstraße 15 99084 Erfurt
Tel. 0361 / 5 66 17 01 EEBTstadtakademieEF@gmx.de
Ergebnisprotokoll der in den Räumen der ESG tagenden Findungskommission
"Jury Erfurter GeDenken 1933-1945" vom 30.10.2008
1. Teilnehmer:
Frau Ines Beese
Herr André Blechschmidt
Herr Dr. Martin Borowsky
Frau Prof. Dr. Stefanie Endlich
Frau Dr. Jutta Hoschek
Herr Thomas Lindner
Herr Dr. Aribert Rothe
Herr Prof. Dr. Kai-Uwe Schierz
Entschuldigt fehlen:
Frau Tely Büchner:
Herr Wolfgang Nossen
Herr Karl Schawelka
Herr Klaus Nerlich
Abwesend:
Herr Herbert Schönemann
Die wegen anderer Verpflichtungen mit terminlicher Überschneidung entschuldigt fehlenden Herren hatten um die Benennung von Stellvertreter(inne)n gebeten. Dem stehen keine Regelungen entgegen. In diesem Sinne kooptieren die anwesenden Mitglieder übereinstimmend Frau Ines Beese und Frau Dr. Jutta Hoschek. Damit waren die wichtigsten relevanten Kompetenzbereiche vertreten: das "Netzwerk Jüdisches Leben Erfurt" (Beese), Politik / Kulturausschuss der Stadt Erfurt (Blechschmidt), DIG (Borowsky), Gedenkkultur, -wissenschaft (Endlich), lokale Verfolgungsgeschichte (Hoschek), Kunst (Lindner), Kunstwissenschaft (Schierz), Kirche, Theologie / politische Erwachsenenbildung (Rothe).
2. Zur Ausschreibung:
Der Künstlerische Wettbewerb war fristgerecht für Thüringen und mit folgender Intention ausgeschrieben und veröffentlicht worden:
"Gemäß der Projektbeschreibung soll im öffentlichen Stadtraum der verfolgten, deportierten und ermordeten jüdischen Bürger Erfurts gedacht werden. Dabei geht es zum einen um das Sichtbarmachen der Orte von Verfolgung, Demütigung und Erniedrigung, wie etwa der so genannten ‚Juden- bzw. Ghettohäuser’. Zum anderen sollen ästhetisch anspruchsvolle und individualisierte Objekte des Gedenkens in möglichst unmittelbarer Nähe der Lebens- und Wirkungsstätten Betroffener errichtet werden. Die Ausschreibung bezieht sich auf ein Konzept zur Gestaltung dieser ‚Denkzeichen’."
Näheres ist unter www.dig-erfurt.de öffentlich zugänglich. In Funk und Printmedien wurde angemessen berichtet. Die Einreichungsfrist war bis zum 27.10.08 verlängert worden.
3. Resonanz
Daraufhin gab es zunächst 11 Anmeldungen, aber ein Künstler zog wieder zurück. Die im Folgenden Genannten reichten ihre Projektbeschreibungen und Modelle - in anonymisierter Form - rechtzeitig ein:
Appelt, Karl-Heinz
Geschwister Bruder
Ehrsam, Gernot
Hermann, Petra
Hollmann, Sophie
Lahn, Mario und Frank Mühlfriedel
Münter, Kati
Ritzmann, Michael
Strobelt, Michael
Wiegand, Frank
4. Zur Jury-Arbeit
Sämtliche Objekte wurden anonymisiert und im Einzelnen eingehend, anhand ihrer Beschreibungen und Modelle, vorgestellt und begutachtet. Die Mitglieder einigten sich darauf, im Sinne des beschriebenen Ansatzes auf naheliegende, herkömmlich bekannte religiös-symbolische Zuweisungen an die betroffenen Bürgerinnen und Bürger jüdischer Herkunft, wie sie etwa in der Verwendung des Menora-Leuchters zum Ausdruck kommen, zu verzichten.
5. Preisträger(innen):
Es konnten ein 1., 2. und 3. Preis vergeben werden:
1. Preis: "Zeichensetzung" von Sophie Hollmann (Teilnahme-Nr. 86026)
Fragestellung: Welche der anwesenden Juror(inn)en stimmt dafür, dass dieser Entwurf den ersten Preis erhält? Abstimmungsergebnis: 6 Ja / 1 Nein / 1 Enthaltung
2. Preis: "Ein König David Bericht" von Frank Wiegand (Teilnahme-Nr. 11711 )
Fragestellung: Welche der anwesenden Juror(inn)en stimmt dafür, dass dieser Entwurf den zweiten Preis erhält? Abstimmungsergebnis: 7 Ja / 1 Nein
3. Preis: "Gedächtnisstützen" von Petra Hermann (Teilnahme-Nr. 6745)
Fragestellung: Welche der anwesenden Juror(inn)en stimmt dafür, dass dieser Entwurf den dritten Preis erhält? Abstimmungsergebnis: 7 Ja / 1 Nein
Es ist beabsichtigt, den ersten Preis zu realisieren.
6. Begründung der Jury zur Vergabe des 1. Preises und Auflagen zur Modifizierung des Entwurfs
Die Grundidee großer Stecknadeln an verschiedenen Orten, in Korrespondenz mit einer entsprechenden, zentral zugänglichen (oder erhältlichen) Kartographie, überzeugt durch schlichte Klarheit ohne jedes Pathos. Ihre scheinbar spielerische Anmutung weckt auf den ersten überraschten Blick Neugier und positive Emotion und eröffnet auf den zweiten Betroffenheit und vertieftes Nachdenken. Die Verquickung von Abbild und Realität, Landkarte und Stadtlandschaft, modernem "Eingoogeln" und bezeichneten Lebensorten ist verblüffend beziehungsreich. Auch die Projektbeschreibung verbindet lebensweltliche Formfreude mit Reflexionstiefe, z. B.: "Über die reduzierte Symbolsprache einer Stecknadel werden in der Stadt diese Orte des Geschehens markiert. Eine Art ‚in die Wunde stechen’. Tatortmarkierung oder auch Zeichensetzung für die Hoffnung findet somit direkt und unverziert statt."
Gleichwohl kann sich die Jury zum Wettbewerb "Erfurter GeDenken 1933-1945" das Konzept nicht ohne Einschränkungen, sondern nur mit vier wesentlichen Auflagen zu Eigen machen:
(A) Zunächst ist die vorgeschlagene Farbkodierung aus mehreren Gründen nicht tauglich. Vielmehr wird von einem "Kopf" ausgegangen, dessen Farbigkeit neutral sein, vor allem keinen vordergründigen Bezug zur Farbensymbolik im Kontext von Verfolgung und Vernichtung der Juden in Europa zwischen 1933 und 1945 ausweisen sollte.
(B) Weiter verrät der Entwurf nichts Konkretes über Größenverhältnisse und statische Verankerung. Die Jury geht von 140 - 160 cm Höhe aus. Für die in Aussicht stehenden, fortlaufenden Realisierungen übernimmt deshalb Herr Thomas Lindner eine technische Mentorschaft.
(C) Darüber hinaus wird Wer t darauf gelegt, dass die Form einer Stecknadel deutlicher herausgearbeitet wird, also stärker der grafischen Darstellung im eingereichten Entwurf entspricht als dem Modell.
(D) Schließlich soll die vorgelegte Kostenschätzung präzisiert und mit verschiedenen Kostenangeboten unterlegt werden. Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Finanzierung für Einzelne erschwinglich sein sollte.
7. Weitere Bewertungen:
Zum 2. Preis "Ein König David Bericht" von Frank Wiegand:
Die bildhauerische Konzeption dieser Arbeit wird als eindrucksvoll empfunden. Die beabsichtigte Strenge des Kontrastes der beiden Materialien und der symbolhaft starren Positionierung der Winkel auf dem Stein sind jedoch schwer mit der Grundidee des Wettbewerbs vereinbar, Situationen im Stadtraum zu schaffen, die zum lebendigen Dialog anregen sollten.
Zum 3. Preis "Gedächtnisstützen" von Petra Hermann:
Die Jury empfand Sympathie für die Grundidee, transparente Objekte im Stadtraum aufzustellen, als Textträger und zugleich als Vitrinen für Gegenstände, die einzelnen Verfolgten unmittelbar zugeordnet sind. Die mit dieser Idee verbundenen Probleme überwiegen jedoch das unkonventionelle Potential des Entwurfs. So würden zum Beispiel einige eher zufällig erhalten gebliebenen individuellen Gegenstände eine besondere Bedeutung erhalten, würden musealisiert und mit einer dem Thema unangemessenen Aura des "Authentischen" versehen; darüber hinaus bestünde die Gefahr, die zu ehrenden Menschen nach verfügbaren Gegenständen auszuwählen oder ihnen andernfalls frei ausgedachte Gegenstände zuzuschreiben, die von Passanten wiederum als authentisch missverstanden würden.
Was die weiteren Entwürfe angeht, so sieht die Jury z. B. in der Grundidee, mit Fußabdrücken an die verfolgten Bürgerinnen und Bürger zu erinnern, einen interessanten Beitrag, der auf traditionelle Symbole und Metaphern verzichtet und sich stattdessen einem allgemein menschlichen, für jeden Passanten unmittelbar verständlichen Motiv zuwendet, dem jeweils individuell geformten nackten Fuß, gewissermaßen als Spur vergangenen und als Zeichen gegenwärtigen und zukünftigen Lebens. In der Pauschalität und Unverbindlichkeit dieses Motivs liegt allerdings auch die mangelnde Überzeugungskraft für das besondere Thema dieses Wettbewerbs.
8. Information
Den Preisträger(inne)n ist telefonisch mit Bitte um Stillschweigen gratuliert worden. Öffentliche Bekanntgabe der Namen erst bei Preisvergabe am 9.11.08, 16.00 Uhr.
9. Vereinbarungen
Der Protokollentwurf geht von Rothe an Borowsky und an alle Teilnehmenden. Ergänzungen und Korrekturen bitte farbig im Text vornehmen und an alle mailen, bis 3.11.; Rothe erstellt daraus Endfassung am 4.11; im Streitfall muss entsprechend untereinander kommuniziert werden. (Nachtrag: Wegen Verzögerung erst am 5.11.08)
Am 3.11.08 Transport der Objekte in die Alte Synagoge (Beese, Rothe, Wiegand). Improvisierte Ausstellung aller Exponate vom 10.11. bis 14.11.08, 11.00 - 17.00 Uhr (Zeitplan, Aufsicht unter Beteiligung des AK – Beese/Hoschek) Zu klären: finanzielle Abwicklung mit Kulturdirektion (Borowsky) und PM (Rothe)
Protokollant: Rothe
Sophie Hollmann "Zeichensetzung"
Erläuterungen zu den Modellen
Die Modelle wurden mit Erläuterungen versehen, in die Sie auf Anfrage in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge Einsicht nehmen können. Außerdem sind Fotos und Beschreibungen auf der Homepage der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Erfurt, verfügbar. (http://www.dig-erfurt.de/, Projekte)
Erster Preis
Sophie Hollmann, "Zeichensetzung"
Sophie Hollmann wurde 1986 in Erfurt geboren.
Fachoberschule Gestaltung, Walter-Gropius-Schule in Erfurt, Abschluss 2004
Bachelor of Arts in Integrated Desígn, Anhalt University of Applied Sciences, Abschluss 2007
Master of Arts in Integrated Design, Anhalt University of Applied Sciences, Abschluss 2009
"Zeichensetzung"
Zweiter Preis: Frank Wiegand
"Ein König David Bericht"
Dritter Preis: Petra Hermann
"Gedächtnisstützen"
Karl-Heinz Appelt
Miriam und Benjamin Bruder
Gernot Ehrsam
Mario Lahn und Frank Mühlfriedel
Kati Münter
Michael Ritzmann
Michael Strobelt